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Bozen

Bozen: Kultur

Bozen ist wirklich zweisprachig und geht damit sorgfältig um, auf eine Weise, die einem Besucher erst nach ein, zwei Tagen auffällt.

Zwei Sprachen, von Gesetzes wegen

Alles Amtliche erscheint deutsch und italienisch, öffentliche Stellen werden nach dem Proporz der erklärten Sprachgruppen vergeben, und die Kinder besuchen die Schule in der einen oder der anderen Sprache. Es funktioniert, und es ist zugleich eine Verwaltungskonstruktion, über die dauernd gestritten wird.

Die Stadt ist die Ausnahme

Südtirol insgesamt ist zu etwa zwei Dritteln deutschsprachig, Bozen aber zu rund drei Vierteln italienischsprachig — ein unmittelbares Erbe der unter dem Faschismus gebauten Industriezone. Zwanzig Minuten bergauf kehrt sich das Verhältnis um.

Ötzi

Der Mann, der um 3300 v. Chr. auf einem Joch starb und 1991 von Wanderern gefunden wurde, liegt bei minus sechs Grad hinter Glas. Er hat eine Wunde, ein Kupferbeil, eine letzte Mahlzeit und einen Namen, und die Stadt hat einen guten Teil ihrer Identität um ihn herum eingerichtet.

Ladinisch, die dritte Sprache

In einigen Tälern der Provinz spricht man weder Deutsch noch Italienisch, sondern Ladinisch, eine rätoromanische Sprache mit vielleicht dreißigtausend Sprechern in den Dolomitentälern, mit eigenen Schulen, Medien und rechtlicher Anerkennung. Von der Stadt aus übersieht man das leicht, und ein Dialekt ist es nicht.

Der Proporz im Alltag

Die Sprachgruppenerklärung, die man bei der Volkszählung abgibt, entscheidet über Stellen im öffentlichen Dienst und über Wohnbauförderung. Das ist der Preis eines Systems, das den Frieden gebracht hat, und genau darüber wird gestritten.

Küche und Wein

Speck, Knödel, Gerstensuppe und Strudel stehen auf denselben Karten wie Pasta, und keine der beiden Traditionen entschuldigt sich. Der Christkindlmarkt läuft seit 1990 und ist der größte Italiens; Lagrein und St. Magdalener wachsen an den Hängen innerhalb der Stadt.

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