Meran
Meran: Kultur
Meran ist durchmischter, südlicher und weniger aufgeräumt als das übrige Südtirol, und das gefällt ihm ganz gut.
Zwei Sprachen, fast gleich stark
Die Stadt ist beinahe hälftig zwischen deutscher und italienischer Sprachgruppe geteilt, was in diesem Land ungewöhnlich ist und für ein lockereres, gemischteres soziales Gewebe sorgt als in Bozen oder in den Tälern. Gemischte Familien sind hier die Regel und nicht die Ausnahme.
Die Kurtradition
Der Gedanke, zum Gesundwerden herzukommen, ist zweihundert Jahre alt und nicht verschwunden: die moderne Therme, die Traubenkur im Herbst, Promenaden, die für langsames Gehen von Menschen mit schwacher Lunge angelegt wurden. Ein guter Teil der Stadt hat noch die Form der Rekonvaleszenz.
Die Traubenkur
Im Herbst isst man hier große Mengen Vernatsch-Trauben als Behandlung. Man nimmt es halb ernst und feiert es mit einem Fest, das seit 1886 stattfindet; die Kurhäuser boten sie einst als verschriebene Anwendung an, mit Tagesmengen und ärztlicher Aufsicht.
Kafkas Briefe
Franz Kafka verbrachte 1920 drei Monate hier, zur Genesung in einer Pension über der Stadt, und schrieb von dort einen großen Teil der Briefe an Milena Jesenská. So etwas passierte in einer Stadt voller Menschen, die zum Atmen hergeschickt worden waren.
Pound auf Brunnenburg
Ezra Pound verbrachte einen großen Teil seines letzten Jahrzehnts auf einer Burg über der Stadt bei seiner Tochter, und aus dieser Verbindung ist hier eine kleine literarische Präsenz entstanden.
Wein und Küche
Die Meraner Hügel tragen Vernatsch und Weißburgunder; das Weinfestival im November gehört zu den angesehensten Italiens, und gekocht wird südtirolerisch mit mehr italienischem Einschlag als üblich.